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Jacqueline Lauper, Fundnumismatikerin

Jacqueline Lauper, 29 Jahre alt, arbeitet seit 2016 als Fundnumismatikerin beim Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS), d.h. sie bestimmt und inventarisiert Münzen, welche bei Ausgrabungen, Feldbegehungen oder durch Zufall zutage kommen.

(Mai 2018)

Welche Fächer haben Sie an welcher Universität studiert?
Ich habe sowohl meinen Bachelor als auch meinen Master an der Universität Bern absolviert. Von Anfang an war für mich klar, dass ich im Hauptfach Archäologie studieren möchte. Da ich mich vorwiegend für die römische Zeit interessiere, habe ich mich zunächst für die Schwerpunkte Archäologie der Römischen Provinzen (ARP) und Mittelmeerarchäologie (MMA) entschieden. Im Master habe ich ARP als Schwerpunkt ausgewählt, da ich mich auf die Römer in unserem Gebiet konzentrieren wollte. Auch beim Nebenfach war für mich die Wahl klar; da mir die englische Sprache und Literatur am Herzen liegen, habe ich mich für Anglistik entschieden.

Wann haben Sie sich für Altertumswissenschaften zu interessieren begonnen und gab es ein Schlüsselerlebnis, das Ihre Studienwahl massgeblich beeinflusst hat?
In der 3./4. Klasse hat mein damaliger Lehrer unter anderem das Thema Römer behandelt. Damals hat mich dieses Thema so sehr fasziniert, dass ich bei einem Ausflug nach Augusta Raurica verkündet habe, ich werde Archäologin. Obwohl ich mich im Laufe der Schulzeit natürlich auch für andere Dinge interessiert habe, blieb mir dieser Wunsch immer im Hinterkopf.

Erzählen Sie uns bitte in wenigen Sätzen Ihren beruflichen Werdegang nach dem Studium.
Bereits während meines Studiums habe ich viel im Bereich der Numismatik gearbeitet. So hatte ich die Möglichkeit, vor zwei Jahren eine feste Teilzeitstelle zur Bearbeitung der Fundmünzen im Archäologischen Dienst des Kantons Bern zu übernehmen, wobei mein Arbeitgeber das Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS) ist. Als ich mein Studium vor einem knappen Jahr abgeschlossen habe, hatte ich das Glück, wiederum über das IFS an weiteren spannenden Projekten mitarbeiten zu können; einen Grossteil meines Berufslebens verbringe ich zur Zeit in der Kantonsarchäologie Aargau mit der Bearbeitung von Münzen aus dem Legionslager von Vindonissa und aus dem Hortfund von Ueken.

Beschreiben Sie uns bitte kurz Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit, welche Aspekte Sie besonders schätzen und welche weniger.
Aktuell kann ich mich vorwiegend mit römischen Münzen auseinandersetzen, insbesondere im Rahmen der beiden grösseren Projekte, an denen ich mitarbeite. Der Hortfund von Ueken besteht zum Beispiel aus über 4000 römischen Münzen aus dem 3. Jahrhundert n.Chr. – eine ganze Menge Münzen, die es detailliert zu bestimmen gilt!
Insgesamt ist meine Arbeit alles andere als langweilig. Die Bestimmung und Auswertung von Münzen macht mir unglaublich viel Spass. Bei den römischen Prägungen beispielsweise verblüfft mich immer wieder der Detail- und Einfallsreichtum, der darauf zu erkennen ist. Noch spannender als die einzelnen Stücke finde ich allerdings den archäologischen und historischen Kontext, in welchem sich die Fundmünzen befinden. Die Arbeit mit Fundmünzen liegt an der Schnittstelle verschiedener Wissenschaften – unter anderem treffen hier Geld- und Wirtschaftsgeschichte und Archäologie aufeinander.
Ein weiterer kurzweiliger Aspekt meiner Arbeit ist, dass ich mit vielen unterschiedlichen Wissenschaftlern und Organisationen in der Schweiz wie auch im Ausland zu tun habe. Die Welt der Fundnumismatik ist sehr klein, weswegen man rasch einen Grossteil der aktiven Wissenschaftler kennenlernt, sei es aufgrund von Projekten oder an Fachtagungen. All diese Aspekte schätze ich sehr!
Weniger schätzenswerte Aspekte gibt es aber zweifellos auch. So sind beispielsweise feste Stellen rar. Da man sich so nie ganz sicher sein kann, ob, wieviel und wo man nach dem Ende eines laufenden Projektes arbeiten kann, ist die längerfristige Planung schwierig. Mit Engagement und ein wenig Glück ist die Chance allerdings gross, dass man trotz allem immer wieder eine tolle und spannende Stelle findet!

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