Verlagswesen

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Laura Simon, Lektorin und Publizistin

Laura Simon (* 1988) arbeitet als Editor & Publicist beim Verlag Helvetiq in Basel und ist dort in der Programmgestaltung und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Daneben arbeitet sie als freischaffende Lektorin.

(Juli 2018)

Welche Fächer haben Sie an welcher Universität studiert?
Ich habe während meines Bachelorstudiums Altertumswissenschaft und Ethnologie an der Universität Basel studiert und während meines Masterstudiums an der Universität Bern die Studienfächer Antike Kulturen und Antikekonstruktionen sowie Alte Geschichte und Rezeptionsgeschichte der Antike.

Wann haben Sie sich für Altertumswissenschaften zu interessieren begonnen und gab es ein Schlüsselerlebnis, das Ihre Studienwahl massgeblich beeinflusst hat?
Ursprünglich wollte ich Psychologie studieren. Etwa drei Wochen vor Studienbeginn – ich weiss bis heute nicht, woher dieser Sinneswandel kam – habe ich mich kurzerhand für ein altertumswissenschaftliches Studium umentschieden. Ich wollte lieber Archäologie studieren. Die detektivische Arbeit, die dahintersteckt, hat mich völlig fasziniert.

Hatten Sie vor dem Studium ein bestimmtes Berufsbild im Kopf, gab es für Sie Vorbilder?
Ich hatte nie bestimmte Berufsbilder im Kopf. Ich hatte vielmehr bestimmte Vorlieben vor Augen, die ich auch in meinem zukünftigen Beruf ausleben wollte: selbstständig und nach meinem Rhythmus zu arbeiten; Fragen, die mich beschäftigten, zu reflektieren; stets Neues zu lernen, Dinge zu entdecken, kreativ zu sein. Das trifft auf viele Berufe zu.

Wie haben Sie das Studium erlebt, was hat Ihnen besonders Spass gemacht, was hat Ihnen eher Mühe bereitet?
Ich habe sehr gern studiert! Die schönsten Momente im Jahr waren jeweils die Aufschaltung der neuen Vorlesungsverzeichnisse. Jedes Thema war noch so unbekannt und spannend! Die Art des Unterrichts gefiel mir hingegen meist nicht besonders. Referate zu halten oder solchen zuzuhören ist nichts für mich. Am liebsten habe ich mich eigenständig in ein Thema vertieft

Aus welchen Gründen würden Sie einer Maturandin, einem Maturanden raten, ein altertumswissenschaftliches Studienfach zu wählen?
Ich bin überzeugt, dass die Kompetenzen, die man sich während eines geisteswissenschaftlichen Studiums aneignet, für unzählige Berufe von Nutzen sind. Ob man sich nun fachlich für ein altertumswissenschaftliches Studium entscheidet oder für ein anderes Gebiet der Geisteswissenschaften, ist meines Erachtens eher zweitrangig. Wichtig ist doch, dass man diese Kompetenzen anhand eines Studiums erlernt, das einen inhaltlich begeistert.

Erzählen Sie uns bitte kurz Ihren beruflichen Werdegang nach dem Studium.
Ein ehemaliger Arbeitsgeber wusste, dass ich demnächst mein Studium abschliessen würde, und bot mir eine Festanstellung an. Gleichzeitig durfte ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsprojekt «Schweizerische Altertumswissenschaften für das 21. Jahrhundert» mitarbeiten. Es war ideal: einerseits eine Stelle mit gesichertem Einkommen, andererseits die Möglichkeit, mich weiterhin wissenschaftlich zu betätigen. Was ich vor lauter Vernunft ignorierte, war mein ungutes Bauchgefühl. Als ich die Ausschreibung einer Praktikumsstelle im Lektorat des Verlags Hier und Jetzt entdeckte, kündigte ich meine Festanstellung, stieg aus dem Forschungsprojekt aus und schlug eine neue Laufbahn im Verlagswesen ein. Nach Praktikumsende wurde ich Lektorin bei NZZ Libro, wo ich zuletzt als Projektleiterin rund 30 Titel pro Jahr betreute. Heute arbeite ich im Verlag Helvetiq.

Beschreiben Sie uns bitte kurz Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit, welche Aspekte Sie besonders schätzen und welche weniger.
Die Arbeit in einem kleinen Verlag ist sehr vielseitig. Helvetiq kreiert Bücher und Spiele. Meine Aufgabe besteht darin, eigene oder eingesandte Buchprojekte zusammen mit der Autorin oder dem Autor zur Reife zu bringen. Das beinhaltet die konzeptionelle und sprachliche Betreuung des Projekts von der Idee bis zur Realisierung und verlangt viel Kreativität, Einfühlungsgabe und Problemlösungskompetenz. Darauf folgt die Medienarbeit, also der direkte Austausch mit JournalistInnen, InfluencerInnen oder mit dem Publikum. Die Arbeit an den Projekten bereitet mir meistens Freude und gelegentlich Kopfzerbrechen. Jedes Projekt hat seine Herausforderungen. Umso mehr inspiriert mich die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Personen.

Welchen Nutzen hat Ihnen das Studium für Ihre aktuelle Tätigkeit gebracht?
Die Fähigkeit, mich rasch in neue Themenbereiche einarbeiten zu können, ist für meinen Job sehr wichtig. Ich kann nicht jedes eingesandte Manuskript im Detail lesen, sondern muss zügig entscheiden, welche Ideen ich weiterverfolgen möchte und welche nicht – ähnlich, wie dies bei einer Literaturrecherche geschieht. Entscheidend sind auch die sprachlichen und konzeptionellen Kompetenzen, in einer Arbeit den roten Faden klar herausarbeiten zu können. Des Weiteren muss ich täglich argumentieren, überzeugen, verhandeln, vernetzen – alles Dinge, die man im Rahmen des Studiums erlernt.

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die für Ihr aktuelles Berufsleben wesentlich sind, haben Sie ausserhalb des Studienkontextes erworben?
Das branchenspezifische Wissen lerne ich nach und nach on the Job. Dazu gehört Wissen über die Verlags- und Medienlandschaft oder auch technisches Know-how rund um die Produktion und Gestaltung von Büchern. Auch am kaufmännischen Gespür feile ich noch.

War es nach dem Studium leicht, eine Stelle zu finden?
Ich habe sehr schnell den Einstieg in die Berufswelt gefunden. Allerdings habe ich bereits während meines Studiums immer rund 30 bis 40 Prozent gearbeitet, und dies in verschiedensten Bereichen. Das war sehr hilfreich für die Stellensuche, weil ich dadurch Arbeitserfahrung und entsprechende Referenzen vorweisen konnte.

Falls Sie eine berufliche Aktivität ohne direkten Bezug zu den Altertumswissenschaften ausüben, vermissen Sie den Bezug zu den Altertumswissenschaften in Ihrer aktuellen Tätigkeit?
Mein Beruf hat nicht viel mit den Inhalten meines altertumswissenschaftlichen Studiums zu tun. Das finde ich aber nicht weiter schlimm, denn Vielfalt interessiert mich genauso wie Spezialisierung. Ich habe jedenfalls nie bereut, Altertumswissenschaften studiert zu haben, sondern würde wieder genau gleich entscheiden.

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