Altamerikanistik

Einen besonderen Schwerpunkt auf die historischen und rezenten indigenen Gesellschaften insbesondere Lateinamerikas legt im deutschsprachigen Raum die Altamerikanistik.
Sie versteht sich als interdisziplinäres Fach, das Forschungsansätze aus Ethnologie, Archäologie, Ethnohistorie, Linguistik und verwandten Wissenschaftsdisziplinen verbindet, um kulturelle Prozesse des indigenen Amerika in ihrer historischen Tiefe zu erschließen.
Die Altamerikanistik untersucht somit als Regionalwissenschaft die soziokulturellen Entwicklungen und Verflechtungen von der Besiedlung des Kontinents, über die Herausbildung komplexer Gesellschaften, die Eroberungsgeschichte bis hin zu aktuellen politischen und sozialen Phänomenen. Hierzu zählen die Auswirkungen von Kolonialisierung und Dekolonialisierung, Globalisierung und Transnationalisierung. Aktuelle Themenfelder wie Nachhaltigkeit, Gender, Migrationen, Raum, Urbanität, Staatlichkeit, Identitäts- und Differenzkonstruktionen, Machtkonstellationen sowie deren Aushandlungen durch soziale, mediale und visualisierende Praktiken werden historischen und gegenwärtigen Kontexten betrachtet.

Ein Studium der Altamerikanistik wird derzeit in der Schweiz nicht angeboten. Angebote zur Archäologie oder Ethnologie des amerikanischen Kontinents werden unregelmässig an einzelnen Universitäten je nach Ausrichtung als Teil der Archäologie, Ethnologie, Kultur- oder Sozialanthropologie angeboten.
Ein Studium in dieser Fachrichtung ist im benachbarten Ausland möglich. Die Abteilung für Altamerikanistik der Universität Bonn richtet BA- und MA-Studiengang aus. Am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin finden sich Angebote zu Altamerikanistik/Kulturanthropologie in den Studiengängen Sozial- und Kulturanthropologie sowie dem interdisziplinären Studiengang Lateinamerikastudien.

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